Social versus real – Die Macht der neuen Medien

Was Dr. Michael Blume, Keynote Speaker und Religionswissenschaftler, dazu sagt

„Der Referatsleiter im Staatsministerium Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, veröffentlichte nach klassischen Sachbüchern eine erfolgreiche eBook- und Taschenbuchreihe bei dem von seiner Frau gegründeten sciebooks-Verlag. 2015/16 leitete er das Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak, mit dem 1.100 überwiegend yezidische Opfer des so genannten „Islamischen Staates“ aus dem Irak nach Deutschland evakuiert wurden. Zudem lehrt Blume an Hochschulen, zuletzt 2017 Berufs- und Medienethik am KIT Karlsruhe. Seine Forschungsschwerpunkte sind neben Religionen, Religionspsychologie, Hirn- und Evolutionsforschung auch Medien- und Netzkultur.“
Zum Auftakt der jährlich in Fulda stattfindenden Technologie- und IT-Messe ‚fibit 17‘ war am Vorabend Keynote Speaker Dr. Michael Blume, Religionswissenschaftler, zum Thema „Social versus real – Die Macht der neuen Medien“ angekündigt. Auf meine inneren Fragezeichen bezüglich der Verbindung dieses Themas zur Religionswissenschaft las ich im fibit 17-Flyer das Vorgenannte.

Wie bauen Menschen ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung auf?

So lautete die Frage. Die ersten Städte bauen Ampelanlagen an den Fußgänger Überwegen auf dem Boden ein. Worauf springt unser Gehirn an? Was ist neu an den Medien und ihrer Macht? Die Erfindungen von Schriften und Buchdruck und auch des ersten Automobils waren bahnbrechend für die Entwicklung der Gesellschaft. Die Bedeutung der sozialen Medien heute ist vergleichbar mit der Sprache.

So funktioniert Wirtschaften in sozialen Zusammenhängen

Wir sind ultrasoziale Lebewesen, die sich selbst in ihr Umfeld integrieren. Unser Verhalten ist geprägt von einer evolutionären Sehnsucht nach Anerkennung, sagt Blume. Wenn Menschen früher auf der Jagd waren und gute Beute gemacht hatten, dann haben sie anderen etwas davon abgegeben. Man definierte sich über das Funktionieren der Gemeinschaft. Der Pfeil, mit dem die Jäger unterwegs waren, wurde von den Frauen angefertigt. Ein mit diesem Pfeil getötetes Tier gehörte in der Folge der Pfeilherstellerin und nicht dem Jäger. Folglich war der Jäger mit einer großen Beute sehr angesehen, denn er sorgte für das Funktionieren der Gemeinschaft, in der er lebte. So war das selbstverständlich, denn so funktionierte das Wirtschaften in sozialen Zusammenhängen.

Die Macht der Likes und unsere starke Sozialität

Wir Menschen knüpfen zu jeder Zeit an unsere Urinstinkte an. Beispiel hierfür ist das Foto hier, was siehst du darauf zuerst? (Sieh dir zuerst das Foto an!)
Die Kirche ist bekannt als „Chicken Church“. Eine geringe Andeutung reicht aus, um unsere Annahme für unsere soziale Kognition zu bilden. Wir leben und brauchen eine starke Sozialität!

Chemtrails? Wie Menschen und ihre Meinungen sich multiplizieren

Hast du schon mal am Himmel Chemtrails gesichtet? Es gibt Menschen, die fragen, ob diese Chemtrails von Supermächten versprühte Giftwolken sind. Tatsächlich findet man da auch einiges im Internet dazu. Welche Fantasiespuren diese Kondensstreifen hinterlassen, die durch Flugzeugbewegungen am Himmel entstehen… Mich hat das zu keiner Zeit veranlasst, militärische Zwecke hinein zu interpretieren, die bis heute nicht eindeutig bewiesen sind. Wenn wir von SOZIAL sprechen, dann ist das nicht automatisch in der Bedeutung mit GUT gleich zu setzen!

Die Jüngeren unserer Gesellschaft sagen wieder, man müsse dem Gefühl wieder vertrauen und dem Glauben wieder glauben. Sie suchen sich ihren eigenen Weg durch alle Social Media Kanäle hindurch. Jede Generation sucht und findet ihren eigenen Weg, damit umzugehen und dieser ist auch recht unterschiedlich.

Das digitale Leben im Irak ist weiter fortgeschritten als bei uns in Deutschland.

WLAN hat für die Menschen dort höhere Priorität als Essen und Trinken. Blume besuchte ein Flüchtlingscamp im Irak und war erstaunt zu hören, dass Neuankömmlinge zuerst sich nach WLAN erkundigen, bevor sie Essen und Trinken zu sich nehmen. Das starke soziale Urbedürfnis veranlasst sie, zuerst wissen zu wollen, ob es den Angehörigen gut geht, bevor sie sich um sich selbst kümmern. Für uns ist das nicht nachvollziehbar.

Blume leitete – siehe Einleitung – die Evakuierung der 1.100 Yeziden in den Jahren 2015/2016. Aufgrund gewachsener Strukturen durch Religion, Tradition und Geschichte ihres Volkes, wurden sie bei ihrer Abreise im Rahmen eines Festes von einem Geislichen ihrer Religion gesegnet, damit sie sicher wissen, dass sie für die Geschehnisse nicht selbst schuldig sind! Dies entgegen Tradition und Religion, es sollte Selbstjustiz und Ehrenmorde verhindern. Die ersten Segnungen geschahen im Geheimen. Doch schnell wurden Fotos und Bericht über Facebook verteilt und aus geheimen Ritualen wurden große Feste, die weltweit bekannt wurden. Auch hier wieder die starke und nicht aufzuhaltende Sozialität im Urbedürfnis der Menschen.

Blume sprach eine Großmutter in einem Flüchtlingscamp an mit der Frage, ob sie jetzt Lesen und Schreiben lernen würde. Sie nahm ihr Smartphone zur Hand, öffnete WhatsApp und zeigte überglücklich, wie sie Sprachnachrichten verschickte, und sagte: „Wozu brauche ich Lesen und Schreiben? Ich habe ja Internet und Sprachnachrichten.!“

Nadia Murad, geboren 1993 in Sindschar im Irak, ist eine Überlebende des Genozids an den Jesiden 2014. Sie ist irakische Menschenrechtsaktivistin und seit September 2016 die erste „Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel“ der Vereinten Nationen.

Wie die Interaktion von Menschen Veränderung und Erfolge gestaltet

  1. Gerade die neuen sozialen Medien sprechen unsere alten Emotionen an.
    Wir hungern nach Anerkennung und Interaktion. In Unternehmen braucht es mehr als Werte: Es braucht Integration und Zugehörigkeit!
  2. Gefühle werden wichtiger als es jemals war.
    Dies gilt in Teams, im Umgang mit Kunden, in der Produktentwicklung
  3. Soft und Hard Skills werden zu sozialen und rationalen Talenten
    Moderne Unternehmen brauchen beides!
  4. Öl sparen ist Dienst am Weltfrieden!

Du und ich gestalten die Veränderung und die Erfolge!

Der Vortrag von Blume eröffnete interessante Sichtweisen, denen es nach zu gehen gilt. Lasst uns dranbleiben, forschen, beobachten, Erkenntnisse teilen und uns daraus weiter entwickeln.
Kommunikation ist zur Verständigung der Menschen wichtig. Zersplitterung der Kommunikation passiert durch Rückzug einzelner. Woher leiten wir unsere Meinungsbildung ab? Wo gibt es Öffentlichkeit? Welchen Weg geht Werbung für Unternehmen künftig?
Es ist gar nicht so leicht, schnelle Antworten darauf zu finden…

Durch Beobachtungen vieler Jahre der gesellschaftlichen Entwicklung hindurch findet man eine Art Wellenbewegungen. Menschen leben in Wahrnehmungen in einer Art von „Blasen“. Innerhalb dieser Blasen ist das Verständnis ähnlich, da fühlen wir uns sozial zugehörig und finden Gleichgesinnte.

„Papa, wie seid ihr früher ins Internet gekommen, als es Smartphone und Computer noch nicht gab?“ fragt eine Tochter der aktuellen Zeit ihren Vater…

Wir sind alle Part of The Game und haben alle blinde Flecke!

Meine persönlichen Anmerkungen:
Der Trend unserer Lebensart hin zu einer immer größer werdenden Single-Gesellschaft entspricht nicht unseren Urbedürfnissen. Immer stärker werden Versuche, Kontakte aufzunehmen und neue dazu zu gewinnen. Aufgrund unserer sozialen Kognition ist das mehr als verständlich. Diese Beobachtungen finden sich auch in der Individualpsychologie nach Alfred Adler: Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, der im Blick auf die Gemeinschaft agiert, sich zugehörig fühlen möchte und für das Funktionieren der Gesamtheit wichtig sein möchte. In Unternehmen ist dieser Weg der erfolgreiche: Wenn Potentialentfaltung möglich ist und Zugehörigkeit wächst, dann wächst auch Innovation und Erfolg des Unternehmens.

Herzlichst
Ute
Ermutigungscoach & Individualpsychologin

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